Zeiterfassung für Handwerk und Baustelle: darauf kommt es an
Im Handwerk entscheidet sich die Zeiterfassung nicht im Büro, sondern auf der Baustelle: ohne Netz, mit Arbeitshandschuhen, über mehrere Einsatzorte am Tag. Dazu kommt die verschärfte Aufzeichnungspflicht des Baugewerbes nach § 17 MiLoG. Dieser Ratgeber zeigt, welche Funktionen zählen und welche Tools sie liefern.
Das Wichtigste in Kürze
- Auf der Baustelle zählen vier Dinge: Offline-Modus, GPS beim Stempeln, Zuordnung auf Baustellen/Aufträge und einfachste Bedienung.
- Das Baugewerbe hat eine Sonderpflicht: Nach § 17 MiLoG sind Arbeitszeiten aller Beschäftigten binnen 7 Kalendertagen aufzuzeichnen und 2 Jahre aufzubewahren.
- Unsere Empfehlungen: clockin (GPS + digitale Projektakten, ab 3,99 €) und Crewmeister (Preis-Tipp ab 1,50 €); mit Firmenwagen timr (integriertes Fahrtenbuch).
Worauf kommt es bei Zeiterfassung im Handwerk an?
- Offline-Modus: Rohbau, Keller, Land ohne Empfang – die App muss lokal speichern und später synchronisieren. Sonst entstehen genau die Lücken, die die Erfassung verhindern soll.
- GPS beim Stempeln: dokumentiert, dass auf der richtigen Baustelle eingestempelt wurde – wichtig für die Zuordnung auf Aufträge und gegen Diskussionen. (Rechtliche Leitplanken: Datenschutz & GPS.)
- Projekt-/Baustellenzuordnung: Stunden je Auftrag sind die Grundlage jeder Nachkalkulation – ohne sie bleibt unklar, welche Aufträge Geld verdienen.
- Einfachste Bedienung: Zwei Taps mit kalten Fingern. Alles, was mehr verlangt, wird nicht benutzt.
Die Bau-Sonderpflicht nach § 17 MiLoG
Das Baugewerbe zählt zu den Branchen des § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes. Damit gilt zusätzlich zur allgemeinen Zeiterfassungspflicht: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit sind spätestens bis zum Ablauf des siebten folgenden Kalendertages aufzuzeichnen und mindestens zwei Jahre aufzubewahren – für alle Beschäftigten, nicht nur Minijobber. Bei Zoll-Kontrollen (Finanzkontrolle Schwarzarbeit) sind diese Aufzeichnungen vorzulegen. Eine App, die beim Stempeln sofort dokumentiert, erledigt diese Frist nebenbei; der Wochenend-Stundenzettel wird dagegen schnell zum Compliance-Risiko.
Welche Zeiterfassungs-App eignet sich fürs Handwerk?
clockin
★★★★☆4,4ab 3,99 € /Nutzer/Monat (zzgl. MwSt.)
GPS-Stempeln, Offline-Modus und digitale Projektakten: Fotos, Checklisten und Kundenunterschriften direkt vom Einsatzort – die Baustellendoku entsteht nebenbei.
- Projektakten mit Foto + Unterschrift (Expert)
- DATEV-, Lexware-, Personio-Export
- Plattformgebühr 10 €/Monat bei 1–4 Nutzern
Crewmeister
★★★★★4,6ab 1,50 € /Nutzer/Monat (jährl. Abrechnung)
Bewusst einfach gehalten, GPS und offline inklusive, Server in Deutschland – die günstigste solide Baustellen-Zeiterfassung.
- Projektzeiterfassung schon im Go-Tarif
- ATOSS-Gruppe, deutsche Rechenzentren
- DATEV und Dienstplan als Zusatzmodule
Die Spezial-Fälle
- Firmenwagen im Spiel? timr (8 €/Nutzer) kombiniert Zeiterfassung mit einem elektronischen GPS-Fahrtenbuch – zwei Abos in einem.
- Stechuhr in der Werkstatt gewünscht? askDANTE bietet Hardware-Terminals mit RFID/Fingerprint – und ist bis 5 Nutzer kostenlos.
- Kolonnen mit Schichtplanung? Papershift verzahnt Dienstplan und Zeiterfassung inklusive Geofencing.
Alle Preise von den offiziellen Anbieter-Preisseiten, Stand 13.08.2026, ohne Gewähr.
Drei Praxis-Tipps für die Einführung
- Mit einer Kolonne starten: zwei Wochen Testphase mit dem Trupp, der am meisten unterwegs ist – dort zeigen sich Offline- und GPS-Schwächen zuerst.
- Baustellen als Projekte anlegen: von Tag eins auf Aufträge stempeln lassen; die Nachkalkulation nach drei Monaten ist Gold wert.
- GPS transparent regeln: Erfasst wird der Standort beim Stempeln, keine Dauerortung – schriftlich festhalten und dem Team erklären (Muster-Leitplanken).
Häufige Fragen
Was kostet Zeiterfassung für einen 6-Personen-Handwerksbetrieb?
Crewmeister Go: 9 €/Monat (jährliche Abrechnung), clockin Starter: 23,94 €/Monat (keine Plattformgebühr ab 5 Nutzern), timr Regular: 48 €/Monat. Stand 13.08.2026, netto, ohne Gewähr.
Reicht der Wochenzettel aus Papier auf dem Bau noch?
Riskant: § 17 MiLoG verlangt die Aufzeichnung spätestens am siebten Folgetag – ein am Freitag rekonstruierter Wochenzettel ist häufig lückenhaft und bei Zoll-Kontrollen angreifbar. Details: Excel & Stundenzettel.
Dürfen Chefs sehen, wo die Mitarbeiter sind?
Beim Stempeln ja (Standort der Buchung), als Dauerortung regelmäßig nein. Die Grenzen erklärt der Ratgeber Zeiterfassung, Datenschutz & GPS.
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